Korallen-Wunder der VAE: Rettung in heißen Meeren

Korallen am Rande des Überlebens: Warum das Beispiel der VAE besonders ist?
Die Korallenriffe der Welt stehen unter beispiellosem Druck. Seit Januar 2023 sind etwa 84 Prozent der globalen Korallenökosysteme von dem umfangreichsten Korallenbleichereignis, das jemals aufgezeichnet wurde, betroffen. Schwere Schäden wurden an den Küsten von mehr als 80 Ländern gemeldet, und die Situation ist so ernst, dass die internationale Alarmskala um drei neue Stufen erweitert werden musste. Dieses Phänomen ist nicht nur ein ästhetisches Problem: Wenn Korallen „verbleichen“, verhungern sie tatsächlich.
Bleichen bedeutet, dass durch erhöhte Wassertemperaturen die Korallen die mikroskopisch kleinen Algen ausstoßen, die in ihren Geweben leben und bis zu 90 Prozent ihrer Energie liefern. Wenn diese Algen verschwinden, verlieren die Korallen ihre Farbe und sterben schließlich, wenn der Stress anhält. Die globale Erwärmung, die zunehmend häufigere und intensivere Hitzewellen verursacht, löst eine Kettenreaktion in den Meeren aus, mit Konsequenzen, die das Schicksal der Küstenökosysteme für Jahrzehnte bestimmen könnten.
Warum ist dies kein fernliegendes Problem für die VAE?
Viele tendieren dazu, Korallenriffe mit exotischen Tauchlokationen zu assoziieren, die weit von unserem Alltag entfernt scheinen. Doch in den VAE hat das Vorhandensein von Korallenriffen direkte wirtschaftliche und ökologische Bedeutung. Riffe wirken als natürliche Wellenbrecher und schützen Küstenlinien vor Erosion und Sturmfluten. Zudem bieten sie wichtigen Lebensraum für Fischpopulationen, die für lokale Märkte und Restaurants unerlässlich sind. Der Meerestourismus, der jährlich Millionen in die Emirate zieht, hängt ebenfalls stark von gesunden Riffen ab.
Wenn ein Riff stirbt, breiten sich seine Auswirkungen schnell auf das Festland aus. Der Küstenschutz schwächt sich, Fischpopulationen nehmen ab, und der Tourismus verliert an Attraktivität. Daher ist der Zustand der Korallen kein abstraktes Umweltproblem, sondern eine strategische Angelegenheit für das Land.
Das Paradoxon heißer Meere
Der Arabische Golf gilt als eines der wärmsten Meeresumgebungen der Welt. Die Oberflächentemperaturen überschreiten im Sommer regelmäßig 35 Grad Celsius – Werte, die in anderen Regionen ein Massensterben der Korallen verursachen würden. Doch zahlreiche Korallenkolonien in den Gewässern der VAE können diese extremen Bedingungen überleben.
Dieses Paradox fasziniert Wissenschaftler seit Jahren. Wie ist es möglich, dass Korallen in anderen Teilen der Welt verbleichen und sterben, während bestimmte Korallen entlang der Küsten der Emirate hitzebedingtem Stress widerstehen? Der Schlüssel liegt nicht nur darin, dieses Überleben zu verstehen, sondern auch, wie diese natürliche Widerstandsfähigkeit bewusst genutzt werden kann, um die Riffe der Zukunft zu bauen.
Hitzestressbewertung auf nationaler Ebene
Erstmals wurde in den VAE eine koordinierte, landesweite Untersuchung des Hitzestresses bei Korallen durchgeführt. Wissenschaftszentren und Umweltschutzbehörden aus verschiedenen Emiraten arbeiteten zusammen, um die Riffe entlang sowohl der östlichen als auch der westlichen Küstenlinien zu untersuchen.
Forscher nutzten ein tragbares Gerät, das es ermöglicht, vor Ort 18-stündige Tests direkt am Riff durchzuführen. Während des Verfahrens wird die Wassertemperatur schrittweise erhöht, während gemessen wird, wie einzelne Korallenkolonien auf den Stress reagieren. Die Einzigartigkeit dieser Methode liegt darin, dass die Proben nicht aus ihrem natürlichen Lebensraum entfernt werden müssen. So erhalten Wissenschaftler ein genaues Bild davon, welche Entitäten bei extremen Temperaturen funktionieren können und welche schnell geschädigt werden.
Die Ergebnisse zeigten signifikante Unterschiede zwischen Riffsystemen. In einigen Gebieten können Korallen viel höhere Temperaturgrenzen aushalten, während sich andere Regionen als empfindlicher erwiesen haben. Dieses Wissen liefert eine kartenähnliche Präzision, die anzeigt, wo und welche Strategien angewandt werden sollen.
Vier Millionen Korallen bis 2030
Eines der ehrgeizigsten Ziele ist es, bis 2030 vier Millionen Korallen in die Gewässer der VAE zu reintrodizieren. Dies ist nicht einfach ein Wiedereinführungsprogramm. Der Schwerpunkt liegt darauf, Riffe speziell mit hitzetoleranten Individuen zu rekonstruieren.
Angesichts der globalen Erwärmung reicht es nicht aus, sich auf Korallen zu verlassen, die vergangene Hitzewellen überlebt haben. Kolonien, die bevorstehenden, potenziell intensiveren Hitzewellen standhalten können, müssen ausgewählt werden. Die Ergebnisse der Hitzestressbewertungen fließen direkt in die Restaurierungsprojekte ein. Das Ziel ist nicht nur die Struktur des Riffs wiederherzustellen, sondern auch die langfristige Widerstandskraft zu stärken.
Genetik und Korallenvorstufen
Der nächste Schritt besteht darin, die genetische Forschung zu vertiefen. Wissenschaftler erforschen, welche erblichen Faktoren mit Hitzebeständigkeit verbunden sind und wie diese Merkmale bewusst erhalten oder gestärkt werden können. Geplant sind Korallenvorstufen, in denen die ausgewählten, widerstandsfähigen Individuen vermehrt und in einer kontrollierten Umgebung aufgezogen werden.
Das tragbare Hitzestress-Messsystem wird weiterhin eine Schlüsselrolle spielen, um die Eignung der Korallen vor einer Umsiedlungen sicherzustellen. Diese wissenschaftliche Gründlichkeit gewährleistet, dass die Restaurierung nicht nur beeindruckend, sondern auch nachhaltig ist.
Ein Labor von globaler Bedeutung
Die Gewässer der VAE fungieren als eine Art natürliches Labor. Wenn hier Riffe, die Hitzewellen widerstehen, erhalten und wieder aufgebaut werden können, könnte eines der wärmsten Meeresumgebungen der Welt als Leitfaden für andere Regionen weltweit dienen. Die genetischen und physiologischen Merkmale der hier lebenden, an extreme Bedingungen angepassten Korallen könnten entscheidende Informationen für globale Schutzstrategien enthalten.
Die widerstandsfähigsten Korallen der Welt könnten bereits vor den Küsten der VAE leben. Die Frage ist nicht mehr, ob sie überleben werden, sondern ob wir diese Widerstandsfähigkeit bewusst und verantwortungsvoll für den Schutz zukünftiger Riffe nutzen können.
Die Geschichte der Korallen ist nicht nur eine Erzählung einer ökologischen Krise, sondern auch eine Chance. Eine Chance, eine Lösung durch Wissenschaft, strategische Planung und langfristiges Denken zu entwickeln, die die Region übersteigt. Das Beispiel der VAE zeigt: Auch in den extremsten Umgebungen kann Anpassung existieren – aber nur, wenn sie rechtzeitig erkannt und unterstützt wird.
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